Gülle ohne Grenzen nach Hemmoor

Nein zur “Gülle-Autobahn”

Bürgerforum will mit dem fachlich hochkompetenten, ehemaligen Niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel ins Gespräch kommen.

Wer sich diese Karte mit den nitratbelasteten Gebieten genauer ansieht, bekommt nach dem NEZ-Bericht das pure Entsetzen. Im Grunde produziert die Hemmoorer Politik gemeinsam mit der Firma PROKON einen hausgemachten Umweltskandal. Massentierhalter stehen “bis zum Hals in der Scheisse”, so formuliert es einmal Greenpeace in einem Artikel über die Gülleproblematik und warum importieren wir trotzdem zusätzlich Gülle aus den Niederlanden und so wird es hoffentlich nicht kommen – auch nach Hemmoor… 

Die schärferen Regelungen stellten die Landwirte in den Niederlande vor Probleme, dort – wie auch hier. Die Viehhaltung ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv angestiegen. Viehhaltung erzeugt Gülle, sie kann im Idealfall aufgrund des hohen Nährstoffgehalts (Stickstoff, Phosphor Kalium, Magnesium, Calcium) als natürlich anfallender Dünger für landwirtschaftliche Flächen genutzt werden. Das erspart Bauern den Zukauf von künstlichem Mineraldünger. Den kleinen Niederlanden fehlt es jedoch an Fläche für die riesigen Güllemengen, die Gülle wurde zum Abfallstoff. So zahlen niederländische und deutsche Landwirte der für die Abfuhr von überschüssigen Wirtschaftsdünger zwischen 18 und 25 Euro pro Kubikmeter. Wenn der Güllehandel nicht florieren würde, wäre die Anfrage von PROKON bei uns eine Güllerwerwertungsanlage zu bauen, nicht gelandet. Egal ob der Standort günstig liegt oder nicht. Aus der Not der Bauern wird Profit gemacht auch auf Kosten der Allgemeinheit. Hauptsache es gibt ein gut und günstig gelegenes industrieanlagenfähiges Gelände. Wir fragen uns, warum baut ihr nicht diese Anlage, wenn sie denn so toll ist, nicht dort wo die Massentierhaltung ist und die Transportwege dann auch kurz sind? Warum hunderte von Kilometern fahren und die Umwelt nochmal belasten?

Trotz langer Transportwege ist es z.Beispiel für die niederländischen Bauern günstig, die Gülle nach Deutschland zu bringen. Mehr als 2,2 Millionen Tonnen dieses Tierdungs wurden aus den Niederlanden exportiert mit ansteigender Tendenz.  Umgerechnet rund 66.000 LKWs oder 900 Schiffsladungen kommen pro Jahr aus Holland nach Deutschland. So ist Deutschland der größte Abnehmer für den niederländischen Dung, obwohl er im Inland überreichlich vorhanden ist: 200 Millionen Tonnen Gülle strömen allein aus deutschen Ställen.

Ausgerechnet zu uns nach Hemmoor, wo die Nitratwerte nach den neuesten Messungen des Nds. Landwirtschaftsministerium günstig sind, soll nach dem Willen von CDU und SPD und gegen die Stimmen des Bürgerforums und eines Landwirtes im Rat der Stadt  Hemmoor, eine riesige Gülleverwertungsanlage, genannt Biomethangasanlage gebaut werden. Aus der Sicht des Bürgerforums,  ist dieses innerhal kurzer Zeit die zweite politisch sehr unkluge Entscheidung im Rat der Stadt Hemmoor.  Neben der riesigen renditeorientierten Altenwohnanlage in Althemmoor, die gewachsene Strukturen in der Altenpflege zerschlagen wird, nun noch die Gülleverwertungsanlage im Ortsteil Heeßel / Scheepsweg.

Wir sind eine Region, die eine günstige Nitratbelastung vorweist (Bericht NEZ vom 30.12.20 mit Foto) und ausgerechnet hier bei uns, wo wir absolut keine Region der Massentierhaltung sind, sollen mit riesigen Schwerlasttransporten zigtausende Tonnen von Gülle täglich herangekarrt werden. Die Gülle geht auf Reisen . Besonders hohe Nitratwerte finden sich in agrarindustriell geprägten Gegenden, in denen intensiv Tierhaltung betrieben wird. Und das, obwohl es gesetzlich geregelte Obergrenzen dafür gibt, welche Mengen an Gülle überhaupt ausgebracht werden dürfen. Alles, was nicht auf eigenen Flächen entsorgt werden kann, muss daher in andere Regionen oder gar Länder mit geringerer Viehdichte transportiert werden.  Sogenannte Güllebörsen vermitteln den Überschuss aus den tierhaltungsintensiven Regionen an Landwirte, die überwiegend Ackerbau betreiben und die Gülle als kostenlosen Dünger verwenden wollen. So kommt es, dass Gülle mit Tanklastern von der niederländischen Grenze bis tief hinein nach Mecklenburg-Vorpommern verfrachtet wird.

Nun wird diese angekarrte Gülle nicht bei uns auf den Äckern verklappt, sondern von der geplanten Biomethangasanlage werden aus der immer noch sehr trüben Brühe Phosphor und Stickstoff in Form von Phosphorsalz und Ammoniumsalzen gewonnen, geruchsfreie Pulver, die granuliert werden können, damit Landwirte sie genau so einfach ausbringen können wie industriell hergestellte Mineraldünger.Technisch ist das Verfahren also erforscht und machbar. Aber rechnet sich es auch wirtschaftlich? Allein vom Erlös der Produkte würde es sich im Moment nach Aussagen der Wirtschaft und Wissenschaft  noch nicht tragen, aber da die Landwirte momentan für die Entsorgung ihrer überschüssigen Gülle sehr viel Geld bezahlen, ist es trotzdem jetzt schon eine lohnende Investition, eine die sich auch nach unserer Ansicht mehrere Betriebe teilen könnten. Warum werden nicht auch der Bau mobiler Anlagen, die beispielsweise über die landwirtschaftlichen Maschinenringe angemietet werden könnten entwickelt?

Weil das sich so nicht rechnet, werden  also weiterhin tausende Transporte jährlich quer durch den Landkreis nach Hemmoor gekarrt. Voll hin und leer zurück. Da wo Gülle durch Massentierhaltung und Fleischabfälle anfallen und gleich mittransportiert werden, da müssen die Lösungen entwickelt werden.  Wer sich einmal in betroffenen Gebieten umgehört hat und sich auch näher mit der Problematik aus “Gülle mach Kohle” beschbeschäftigt, muß als Kommunalpolitiker bei Ansiedlungsgebaren solcher Firmen wie PROKON hellhörig werden.  Die systemischen Schäden z.B. an den Strassen und die bisher nicht ausgeschlossenen Klimaschäden bleiben natürlich als die sogenannten negativen Nebenkosten bei den Städten und Gemeinden hängen. Was für ein Irrsinn wird sich zusätzlich auf unseren Strassen abspielen. Müssen wir das einfach so hinnehmen? Nein, das wäre nachhaltige Politik von der schädlichsten Seite. PROKON spielt hier nicht mit offenen Karten, denn wo sollen die Tonnen von Gülle denn herkommen? Im Umkreis von 80Km sehen wir das nicht. Schönfärberei. Also ist kalkulatorisch schon jetzt klar, dieses Geschäftsmodell kann so nicht gelingen und darum soll die Investition von 10 Millionen und die 2 zu schaffenen Arbeitsplätze  darüber hinwegblenden. Von Steuereinnahmen in den ersten Jahren werden auch wir als Kommune nur träumen können. Unsere Stadt sollte sich von bestimmten industriellen Ansiedlungsanfragen nicht blenden lassen. PROKON  hat nach genauer Beobachtung der Hemmoorer Politik eben ein leichtes Spiel gehabt. Noch kann man hoffen, dass das Genehmigungsverfahren des Landkreises diesen Planungen einen Strich durch die Rechnung macht und die Kommunalwahlen 2021 im Rat der Stadt Hemmoor dafür eine neue politische Mehrheit schaft, die im Rahmen der Bauleitplanungen ein Stopp setzt. Das Bürgerforum hat mit großem Interesse wahrgenommen, dass der ehemalige Niedersächsische Umweltmister Stefan Wenzel von den GRÜNEN, hier bei uns im Wahlkreis für den Bundestag 2021 kandidiert. Eine Einladung von uns zu dieser Thematik, wird das Bürgerforum in Kürze besprechen und vorbereiten. 

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